Konferenzaktivitäten März/April 2010: Meta-Analysis, Bayes & MCMC, Prekäre Beschäftigungsverhältnisse & Kinderwunsch
Nachdem der aktive Teil des Semester (im Umfang von 8 SWS) vorbei ist, soll nun wieder die Forschung in den Vordergrund treten und es gilt, den Besuch einiger Konferenzen und Workshops vorzubereiten. Und nachdem ich (beziehungsweise ich als Koautor) während des laufenden Semesterbetriebs noch drei Artikel beendet bzw. eingereicht habe, können auch noch ein paar neue Forschungsergebnisse präsentiert werden.
Prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Partnerschaftsqualität und der aktuelle Kinderwunsch
Mitte März (18./19.3.) wird ein Beitrag von uns (zusammen mit Ina Berninger und Michael Wagner) auf dem Bib-Workshop “Lebensformen in Krisenzeiten” präsentiert, der sich mit “Prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Partnerschaftsqualität und der aktuelle Kinderwunsch” befasst.
Nachfolgend ein Auszug aus dem Vortragsabstract:
Im Beitrag wird untersucht, ob prekäre Beschäftigungsverhältnisse in Form von niedrigem Einkommen oder subjektiver Unzufriedenheit mit der Arbeitsplatzsicherheit, den aktuellen Kinderwunsch beeinflussen. Während das Einkommen von Männern als Haupternährer der Familie einen positiven Effekt auf die Fertilitätsentscheidung haben sollte, führt ein hohes Einkommen bei Frauen zu Opportunitätskosten, welche den aktuellen Kinderwunsch negativ beeinflussen sollten. Die Unzufriedenheit mit der Arbeitsplatzsicherheit resultiert möglicherweise nur bei schlecht ausgebildeten Frauen in einen verstärkten Kinderwunsch. Diese Frauen streben die Mutterschaft an, da sie nicht die Mittel haben, ihre unsichere Beschäftigungssituation zu verbessern.
Des Weiteren wird im Beitrag nicht nur der direkte Effekt der beruflichen Situation auf eine Fertilitätsentscheidung betrachtet, sondern ferner die indirekte, vermittelnde Auswirkung der Partnerschaftsqualität bestimmt. Hierbei wird angenommen, dass ein prekäres Beschäftigungsverhältnis als externer Stressfaktor die Konflikthäufigkeit in Partnerschaften erhöht und das Konfliktverhalten der Partner verschlechtert. Dies führt im Weiteren zu einer niedrigeren Partnerschaftsqualität, was wiederum den aktuellen Kinderwunsch negativ beeinflussen sollte.
Die Analysen basieren auf einer Teilstichprobe des deutschen Generations and Gender Surveys. Es werden kinderlose Paare betrachtet, bei denen der weibliche Partner zwischen 18 und 45 Jahren alt ist.
Erste Analyseergebnisse zeigen, dass der aktuelle Kinderwunsch nur schwach mit der Einkommenssituation und der Zufriedenheit mit der Arbeitsplatzsicherheit assoziiert ist. Sehr deutlich zeigt sich hingegen, dass ein Kinderwunsch umso wahrscheinlicher wird, je besser die Qualität der Partnerschaft ist. Die Konflikthäufigkeit und das Konfliktverhalten vermitteln den Zusammenhang zwischen der Beschäftigungssituation und der Qualität der Partnerschaft. Bei Frauen ist in dieser Hinsicht die Einkommenssituation bedeutsam, für Männer die Zufriedenheit mit der Arbeits-
platzsicherheit. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass ein weiterer Anstieg prekärer Beschäftigungsverhältnisse den Kinderwunsch negativ beeinflusst und damit die Fertilität reduziert.
Wir werden unsere Befunde auch noch auf der Frühjahrstagung der Sektionen “Soziale Ungleichheit und Sozialstrukturanalyse” und “Familiensoziologie” in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie mit dem Titel “(Re-)Produktion von Ungleichheit durch Arbeit und Familie. Veränderungen in den 20 Jahren seit der Wende” vom 15.-16. April 2010 vorstellen.
Using a Combination of Individual and Aggregate Participant Data in Meta-Analysis: A Case Study on the Determinants of Unexcused School Absenteeism
Ende März geht es dann nach Dortmund auf die DAGStat 2010. Dort werde ich folgendes Paper vorstellen: “Using a Combination of Individual and Aggregate Participant Data in Meta-Analysis: A Case Study on the Determinants of Unexcused School Absenteeism“.
Nachfolgend die Zusammenfassung des Vortrags:
Meta-analysis of individual participant data (IPD) are known to be considerably less biased than those based on aggregate participant data (APD). In contrast to many other disciplines, German social scientists are in the comfortable situation of having direct access to most individual participant datasets via the GESIS Data Archive for the Social Sciences. However, some social scientists do not share their datasets but publish their findings in journals or books. So, being interested in conducting a meta-analysis using \emph{all} available evidence, we have to deal with a mixture of APD and IPD. \citet{sutton:2008} introduced a new approach which allows synthesizing both individual level and aggregate level binary outcome data while exploring the effects of binary covariates. These are also available through a combination of individual participant and aggregate level data. This approach is based on a Bayesian framework and BUGS language is used to implement the models.
Based on 11 individual participant datasets, \citet{weiss:2008} conducted a meta-analysis on the determinants of unexcused school absenteeism. In particular, the analysis focused on the interaction between attending the Hauptschule and having a migrational background for the risk of playing truant.This recently developed meta-analytical approach was tested in this case-study. 5 out of 11 datasets (approx. $48.000$ pupils) were artificially aggregated while the other 6 datasets (approx. $9.000$ pupils) remained unchanged. Having a mixture of APD and IPD one could compare the findings of a completely IPD based meta-analysis (11 studies), a reduced IPD meta-analysis (6 studies) as well as a fully APD based meta-analysis with this new approach. Given that a completely IPD based meta-analysis represents the best estimator, this newly developed method rendered the second best. Furthermore the analysis of the reduced IPD dataset resulted in the third-best estimator and completely biased results were obtained by an only APD based meta-analysis.
Finding Thetas in Europe – Applied Bayesian Statistics and MCMC Methods in the Social Sciences
Anfang April (8./9. April 2010) findet die initiale Konferenz “Finding Thetas in Europe – Applied Bayesian Statistics and MCMC Methods in the Social Science” in Mannheim statt, die ich zusammen mit Kölner und Mannheimer Kollegen organisiere — die meiste Arbeit dürften aber die Mannheimer Kollegen haben. Meines Wissens nach ist dies die erste (auf deutschem Boden) organisierte Zusammenkunft von Sozialwissenschaftler/innen, die Interesse an Bayesianischen & MCMC Methoden haben. Ich bin bereits sehr gespannt…

