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(Un-)Pädagogische Reflektionen zum LdL-Tag in Ludwigsburg

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Den gestrigen Samstag habe ich in Ludwigsburg auf dem Lernen-durch-Lehren-Tag (LdL) verbracht. Ich wäre selbsttätig vielleicht nicht dorthin gefahren, doch ich wurde freundlich überredet. Um eine Wertung gleich vorwegzunehmen: es war eine interessante Tagung mit ambivalenten Zügen. Ich bin außerdem kein Pädagoge, vermag also die Idee nicht in einen breiteren pädagogischen Methodenkontext einzuordnen.

Die insgesamt 15 Workshops wurden von zwei ‘Hauptvorträgen’ gerahmt. Der erste Vortrag wurde von Joachim Grzega gehalten und befasste sich mit “Das Leben für Lerner und Lehrer spannender machen – Eine Einführung in LdL”. Für jemanden wie mich war der Vortrag genau richtig, nämlich eine knappe Einführung in LdL. Etwas enttäuschend war die anschließende kurze Diskussion, denn die dort vorgetragenenen Erwiderungen der LdL-Seite auf einige Einwände (“Kennen wir doch schon; Projektunterricht; …”) kamen mir etwas schwach vor. Das mag aber auch an meinem Verständnis gelegen haben…

Anschließend gab es drei Workshopphasen mit je 5 parallel angebotenen Workshops. Die von mir besuchten Workshops haben allerdings auch gezeigt, dass der LdL-Gedanke von den Lehrenden bislang unterschiedlich erfolgreich umgesetzt werden konnte. Mir ist dadurch klar geworden, dass u.U. weniger ein Methoden- als möglicherweise eher ein Haltungswechsel im Vordergrund steht.

Die Tagung fand ihr Ende mit einem insgesamt sehenswerten Vortrag (‘Lange Inkubation, plötzliche Emergenz’) des ‘godfather of LdL’ Jean-Pol Martin. Große Teile des Vortrags fand ich spannend. Für mich etwas ungewohnt waren die anschließenden Ausführungen zu “Was ich an Jean Pol besonders schätze!“.

LdL selbst mag ein überzeugendes Lehr/Lern-Konzept sein und die nächsten Jahre werden zeigen wie gut sich der Ansatz durchsetzten kann. Unabhängig von LdL konnte ich für meine eigene Lehrtätigkeit an der Uni einige gute Gedanken mitnehmen. Die (kostenlose) Tagung  war exzellent und mit großem Engagement organisiert. Die Verbreitung von LdL selbst ist ein gutes Beispiel für die Möglichkeiten des ‘Web2.0′. Denn LdL wird seit Anfang der 1980er Jahre entwickelt und in den letzten (beiden?) Jahren hat die Methodik ungeahnte Verbreitung gefunden. Summa summarum würde ich sagen, dass sich die insgesamt 7 Stunden Fahrt nach Ludwigsburg gelohnt haben (sieht man mal von den durch Wolkenbrüchen überfluteten Straßen, den Hagelschauern und Gewittern ab). Auch wenn ich oben einige kritische Punkte angesprochen habe, so war es doch eine anregende Veranstaltung.

P.S.: Die Haltung zur Evaluation von LdL und der Vergleich mit anderen Methoden ist mir noch nicht ganz klar geworden. Nach meiner Vorstellung sollte eine Lehrmethode, welche die Lernenden motiviert, zu besseren Ergebnissen bei entsprechenden Leistungstests führen.

Written by Bernd Weiss

May 10th, 2009 at 7:30 pm

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5 Responses to '(Un-)Pädagogische Reflektionen zum LdL-Tag in Ludwigsburg'

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  1. “Für mich etwas ungewohnt waren die anschließenden Ausführungen zu „Was ich an Jean Pol besonders schätze!“.”
    - Es ging darum, an meinem Beispiel herauszuarbeiten, welche Verhaltensweisen man zeigen muss, um Menschen im Netz an sich zu binden. Natürlich wirkt das egozentrisch, aber die Aktionsforschung sieht vor, dass man sich selbst zum Forschungsobjekt macht.

    Jean-Pol Martin

    10 May 09 at 7:40 pm

  2. Danke für diese Reflexionen. Es war wirklich eine tolle Tagung. Meine Reflexionen finden sich übrigens hier: http://herrlarbig.de/2009/05/10/der-lehrnen-durch-lehren-tag-in-ludwigsburg-reflexionen-eines-referenten/

    Was die Evaluation angeht: In meinem Workshop wies eine Teilnehmerin darauf hin, dass sie Inhalte, die sie vor vier Jahren in einem Seminar zur pädagogischen Psychologie wirklich diskutiert habe, noch heute rekonstruieren und wiedergeben könne. Diese Erfahrung mache ich auch mit LdL-Stunden: Wenn Wissen einmal konstruiert wurde, kann es rekonstruiert werden und führt so zu besseren Erinnerungsquoten als Unterricht, der nur bis zur nächsten Klausur im Kopf bleibt.

    Ein Beispiel: Ich finde es immer schrecklich, wie vor dem Abitur Lernorgien beginnen, die bezeugen, dass der Unterricht kein stabiles Wissen erzeugen konnte, sondern dass kurz vor dem Abi alles nochmal gelernt wird. Konsequent durchgezogenes LdL wäre wahrscheinlich in der Lage, hier für Entlastung zu sorgen… 

    herr larbig

    11 May 09 at 2:42 am

  3. @Jean-Pol Martin, @herr larbig: Danke für die Kommentare.

    @herr larbig schrieb:

    “Was die Evaluation angeht: In meinem Workshop wies eine Teilnehmerin darauf hin, dass sie Inhalte, die sie vor vier Jahren in einem Seminar zur pädagogischen Psychologie wirklich diskutiert habe, noch heute rekonstruieren und wiedergeben könne. Diese Erfahrung mache ich auch mit LdL-Stunden: Wenn Wissen einmal konstruiert wurde, kann es rekonstruiert werden und führt so zu besseren Erinnerungsquoten als Unterricht, der nur bis zur nächsten Klausur im Kopf bleibt.”

    Ich meine mit Evaluation nicht nur qualitative Einzelfallforschung, sondern vor allem ein quantitatives ‘Vorher-Nachher-Experiment’.

    Bernd

    11 May 09 at 6:36 am

  4. @Bernd
    Wie du gesehen hast, ich gehe kasuistisch vor (qualitativ kasuistisch): ein Beleg genügt: daher das ausführliche Eingehen während des Vortrags auf das Porträt von diegoerelebt. Das war ein empirischer Beleg. Ich wollte auch zeigen, dass “Charme “und “Humor” schwer zu operationalisieren ist. Wenn Menschen im Netz Aufmerksamkeit erregen wollen, kann ich ihnen schwer empfehlen, charmant und humorvoll zu sein, obwohl beides sich auch trainieren lassen kann.

    Jean-Pol Martin

    11 May 09 at 7:44 am

  5. @Jean-Pol Martin: Sofort einverstanden; ich bezog mich mit meinen Hinweis auf den Einsatz quantitativer Methoden auf die Methodenevaluation von LdL. Dass dieser Ansatz auch nur einen Teil des Bildes zeigen kann, ist auch klar. Ich will mich ja hier nicht zum quantitativ-technokratischen Deppen machen :-)

    Bernd

    11 May 09 at 7:54 am

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