Potentiale und Probleme von Meta-Analysen in der Soziologie
Der Titel dieses Posts ist auch der Titel eines Beitrags von Michael Wagner und mir, der demnächst in der Zeitschrift “Sozialer Fortschritt” erscheint (Ausgabe 10/11 ist ein Sonderheft zum Thema “Meta-Analyse” bzw. Forschungsreviews/-synthese). Worum geht es in dem Aufsatz?
“In diesem Beitrag werden Möglichkeiten und Probleme der Anwendung von Meta-Analysen in der Soziologie diskutiert. Während in anderen Fächern Meta-Analysen weit verbreitet sind, ist vor allem die deutschsprachige Soziologie noch weit davon entfernt, diese regelmäßig einzusetzen. Es wird eine einfache Systematik von Meta-Analysen eingeführt, mit der sich disziplinäre Unterschiede gut beschreiben lassen. Anschließend wird dargestellt, dass Meta-Analysen zur Lösung von vier prototypischen Forschungsproblemen beitragen: (1) Beschreibung und (2) Exploration eines Forschungsfeldes, (3) empirische Überprüfung von Hypothesen und (4) Evaluation von Maßnahmen. Der Beitrag endet mit einer Darstellung von typischen Problemen, wie sie sich bei der Anwendung von Meta-Analysen in der Soziologie ergeben” (250).
Vielleicht noch ein weiteres Zitat, das erläutert, welcher methodologischer Anspruch hinter unseren Ausführungen steht und was sich die Sozialwissenschaften noch stärker zu Eigen machen sollten (siehe Hervorhebung):
“Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die empirische Überprüfung von Theorien das zentrale Forschungsmotiv in den Sozialwissenschaften darstellt. Allerdings ist diese Überprüfung nicht mit einer empirischen Studie getan, vielmehr sind in der Regel viele empirische Untersuchungen in immer unterschiedlichen Testsituationen nötig (Opp 2005: 201). Sofern also Sozialwissenschaftler der Methodologie des kritischen Rationalismus folgen, die eben keine endgültig wahren Theorien vorsieht, wird ihnen eine ständige Überprüfung aktueller Theoriebildung abverlangt” (251).
Was den Sozialwissenschaften beziehungsweise der Soziologie vielfach noch fehlt, ist eine anerkannte Replikationskultur, die ihren Niederschlag auch in entsprechenden Fachpublikationen findet. Während etwa in der Physik kein Experiment anerkannt wird, wenn nicht mindestens eine weitere Arbeitsgruppe es replizieren kann, gefallen sich große Teile der empirischen Sozialwissenschaften darin, möglichst originell zu sein und jede Studie, jede Befragung als etwas “Neues” zu konzipieren. In dem Artikel gehen wir etwa auf das “Operationalisierungschaos” zum Schulschwänzen ein. Insgesamt habe ich für meine Diss 15 verschiedene Studien zum Schulabsentismus zusammengetragen, die — mehr oder minder — das Schulschwänzen auf 15 verschiedene Arten und Weisen messen. Unter diesen Voraussetzungen einen Befundvergleich vornehmen zu wollen, ist schwierig und die Frage, was die bisherigen Untersuchungen erbracht haben, lässt sich nur schwer beantworten.
(Inwieweit quantitative Forschungssynthesen / Meta-Analysen hier besonders hilfreich sein können, ist Gegenstand meiner Diss beziehungsweise zweier Artikel, die gerade in Arbeit sind.)

